Evolution / 70x180cm / 2007

Zu meiner Malerei

Schöpferisches Arbeiten beginnt für mich notwendigerweise vor jeder begrifflichen oder vorstellungsmäßigen Formulierung des Themas. Dieses entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit dem Medium Farbe.

Methodisch versuche ich dabei zunächst eine hohe Komplexitätsstufe im Spiel von Farbwerten, Formen und Strukturen – durchaus nichtlinear – entstehen u lassen.

Eben dank dieser Komplexität und Nichtlinearität kann man bei den so erreichten Werkzuständen von einer Selbstorganisation des Mediums Farbe sprechen, wobei die Ergebnisse selbstverständlich determiniert, aber niemals, so man es zulässt, vorhersagbar sind. (Man beachte die Parallelen zu allen nichtlinearen Prozessabläufen in Natur, Kultur und Gesellschaft.)

Dieses Geschehen am Werk ist aufmerksam zu verfolgen, gegebenenfalls zu reduzieren, umzuschichten, umzugewichten, wobei der Werkzustand sich zu einer Werkaussage verdichten kann.

Inwieweit in dieser Auseinandersetzung Notwendigkeit oder Kontingenz das Zepter führen, oder inwieweit hier Freiheit sich die Krone erobert oder es Sinn macht, diese überhaupt zu bemühen, wäre nachdenkenswert, ändert aber nichts daran, ob letztendlich gutes oder schlechtes Augen- und Seelenfutter sich dem wohlwollenden Betrachter anbietet.

Die über kurz oder lang endlich glücklich zustande gekommene Werkaussage ist das Motiv, das Thema. Also: Bei meinen ungegenständlichen Arbeiten ist genau das, was man sieht, das Motiv. Es findet seine Bedeutung in sich selbst, verweist nicht auf etwas, bildet nichts ab.

So gesehen sind die ungegenständlichen Arbeiten keine Bilder, sondern Konkretionen der oben angeführten Methode, in welcher sich wahr – unwahr, richtig – falsch nicht als Kriterien einer Beurteilung eignen. Kurz: Intension und Extension fallen in eins.

In dieser Offenheit und Unmittelbarkeit der Konkretion erschließen sich dem geneigten Betrachter verschiedene, vielfältigste Zugangsmöglichkeiten, wodurch er selbst in einem Prozess des Sehens und Empfindens schöpferisch tätig werden kann.

Schöpferisches Arbeiten ist immer gegenwartsbezogen.

Gegenwart ist immer, ist die Unzeitlichkeit, genannt Ewigkeit, zu welcher wir über die Kunst in unserer jeweiligen Beschränktheit oder Offenheit Zugang finden können.    

Gut wäre die Malerei dann, wenn sie bei wiederholter Betrachtung stets Neues offenbart. Erstrebenswert wäre: Unendlichkeit des Anfangs.

Wie in jeder Beziehung.

Was bleibt, sind oft Missverständnisse.

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